Týr


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Heri Joensen: Vocals / Guitar
Gunnar Thomsen: Bass / Vocals
Terji Skibenæs: Guitar
Tadeusz Rieckmann: Drums

Mit Hel treten Týr von den Färöer Inseln einen umso deutlicheren Beweis dafür an, dass sie an der Spitze des skandinavischen Metal stehen. Das achte Album der Band bietet unverblümt melodischen und bezaubernden Progressive Folk Metal, der sofort bei all denjenigen Anklang finden wird, die das schon zwei Jahrzehnte fortdauernde Schaffen der Musiker mitverfolgen. “Wir haben selbst zu wenig Abstand von dem Material, um es objektiv bewerten zu können, aber ich habe den Eindruck, dass es vielfältiger und in gewisser Weise auch extremer klingt als Valkyrja (2013). Außerdem strotzt es vor Gitarren- und Bass-Details”, beschreibt Gitarrist und Sänger Heri Joensen. “Meines Empfindens haben wir genau die Vorstellungen umgesetzt, mit denen ich vor all den Jahren mit der Band an den Start gegangen bin, weshalb ich nun, wenn ich das Album höre, in jeder Hinsicht zufrieden damit bin. Es ist episch, vertrackt, reich an Melodien und Harmonien, nicht zu vergessen die schiere Heaviness des Ganzen. Ich liebe seine Atmosphäre.”

Obwohl die Gruppe für ihre schnelle Arbeitsweise bekannt ist – ihre ersten fünf Langspieler erschienen innerhalb von sieben Jahren – vergingen zwischen Valkyrja und Hel sechs Jahre, also mehr Zeit als je zuvor von einer Produktion zur nächsten. Währenddessen reiste die Band ständig um die Welt, unter anderem mit Children Of Bodom in Nordamerika und als Teilnehmer an der Kreuzfahrt 70.000 Tons Of Metal. Allerdings verzögerte sich die Arbeit am neuen Album auch aufgrund anderer Faktoren. “Die Vorgehensweise war neu, da ich eingesehen habe, dass ich wohl mit 50 an einem Herzinfarkt sterbe, falls wir unsere Produktionen weiterhin auf die gleiche Weise abwickeln”, sagt Joensen. “Deshalb haben wir uns andere Sitten angewöhnt, was sich jedoch lange hinzog.” Dazu gehörte auch, dass sich Bassist und Sänger Gunnar Thomsen sowie Gitarrist Terji Skibenæs stärker beim Komponieren einbrachten als bisher. Das hat sich positiv aufs Ergebnis niedergeschlagen, denn das Album vermittelt einen umfassenderen Eindruck als seine Vorgänger. “Musikalisch fühle ich mich ein wenig an Ragnarok (2005) erinnert”, gibt Thomsen an. “Es ist etwas epischer und zudem viel sorgfältiger ausgearbeitet als unsere früheren Alben.” Des weiteren markiert es das Aufnahmedebüt von Drummer Tadeusz Rieckmann, der live seit 2016 hinter Týrs Kesseln sitzt. “Den Richtigen zu finden war recht schwierig, aber er ist es”, versichert Joensen. “Er hat technisch was auf dem Kasten, kann aber genauso gut traditionell mit ordentlichem Punch spielen und steckt dabei sein ganzes Herz hinein, und genau das brauchten wir.”

Konzeptionell gründen die Songs auf Mythologie, persönlich Erlebtem und Betrachtungen aktueller Geschehnisse auf der Welt, sodass ein facettenreiches Bild entsteht, das sich auf mehreren Ebenen interpretieren lässt. Joensen schwebte weniger eine konkrete Story als eine Stimmung vor, weshalb er sich nicht allzu genau in die Karten schauen lassen möchte, was seine Texte angeht. Schließlich sollen die Fans eigenen Lehren daraus ziehen, wiewohl er zumindest grundlegende Anhaltspunkte bezüglich seiner Inspiration preisgibt. “Hel ist in der nordischen Mythologie das Totenreich: die Unterwelt, in der die Seelen aller eines natürlichen Todes umgekommener Menschen landen, also nicht die von in der Schlacht gefallenen. Dass die Göttin, die darüber herrscht, genauso heißt, ist ein bisschen verwirrend. Bei ihr handelt es sich um Lokis Tochter und eine fürchterlich anzusehende Gestalt.” Die beiden Songs ‚Ragnars Kvæõi‘ und ‚Álvur Kongur‘ sind traditionelle färöische Balladen in der Muttersprache der Band. Wer mit Týr vertraut ist, weiß, dass sie schon oft auf englische Texte verzichtet haben, obschon dies die “Sprache des Metal” sei, wie Joensen behauptet. Diesmal fallen diesbezüglich nur diese zwei Balladen aus dem Rahmen. “Immer wenn mir eine griffige Folk-Melodie einfällt, denke ich, dazu gehöre ein färöischer Text, doch um einen zu schreiben, fehlt mir dann meistens die Zeit. Solche überlieferten Lieder verfügen schon über Lyrics in meiner Landessprache, also brauche ich mir nur Strophen herauszupicken, die ich verwenden will.” Die zwei Tracks standen sogar schon vor der Veröffentlichung von Valkyrja auf dem Plan und machten eine lange Reifezeit durch. Joensen findet, sie würden sich nun stark am charakteristischen Sound der Band orientieren. “Ich spiele ständig mit Melodien herum und wählte ‚Ragnars Kvæði‘ eben wegen seiner zauberhaften Motivik, nicht unbedingt wegen der zugrundeliegenden Erzählung. Das war bei der anderen Ballade der Fall, worin es vor allem um Odin geht; hier waren mir die Melodie und der Refrain nicht so wichtig. Auf das Arrangement, das ich mir zurechtlegte, bin ich aufgrund der Harmonien und des epischen Feelings stolz. Offengestanden wünsche ich mir, wir hätten mehr solche Songs auf dem Album.”

Die Produktion von Hel lag ausschließlich in Thomsens und Joensens gemeinsamer Verantwortung. Aufgenommen wurde im Studio des Frontmanns in Søldarfjørður und bei Jacob Hansen in Dänemark, als es ums Schlagzeug ging. Skibenæs arbeitete in seinem Heimstudio, wohingegen einige Solos und einzelne Bass-Parts auf Tour in Nordamerika entstanden. “Die Aufnahmen dauerten so lange, weil wir alles selbst machten. Dafür waren sie ausgesprochen lehrreich, wovon wir in Zukunft noch profitieren werden”, so Thomsen. Joensen stimmt zu: “Es ging entspannter vonstatten als sonst, was mich freute. Wir mussten disziplinierter vorgehen, und kreative Menschen sind nicht sonderlich diszipliniert, zumindest ich nicht. Deshalb wäre es wohl zügiger gegangen, wenn uns jemand in den Hintern getreten hätte!” Umso aufsehenerregender, dass die Platte nun durch die Verzögerung zum 20. Jahrestag der Gründung von Týr erscheint … Leicht hatte es die Band nie, auch weil sich ihre Besetzung häufig veränderte und die Mitglieder bisweilen harte Zeiten durchmachten. Trotz allem haben sie durchgehalten und im Zuge dessen Erhebliches geleistet. “Ich träumte zu Beginn wirklich davon, ein international erfolgreicher Profimusiker zu werden. Darauf arbeitete ich hin, doch es geschafft zu haben finde ich nach wie vor unwirklich”, gibt Joensen zu. “In meiner kühnsten Fantasie hätte ich mir nicht ausmalen können, dass ich so viele Widrigkeiten und finanzielle Engpässe überstehen würde, aber hier bin ich und lebe noch.” Thomsen ist “ungeheuer stolz”, wenn er auf das bisherige Repertoire der Band zurückblickt, nicht ohne ebenfalls auf all die Hochs und Tiefs hinzuweisen, wobei er aber insbesondere eines betont: “Wir haben etwas getan, woran sich bis dahin niemand anderes versucht hatte. Dennoch wird von uns noch eine ganze Menge mehr kommen!”




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