Fates Warning


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Fates Warning sind seit über 35 Jahren eine feste Instanz in Sachen Progressive Metal. Die Band prägte den Stil maßgeblich mit und entwickelte ihn weiter, ohne ihre Integrität zu gefährden oder an Bedeutung zu verlieren. Nun im Jahr 2020 legt sie in Form von Long Day Good Night das weitläufigste, längste Album ihrer ereignisreichen Karriere vor. „Stilistisch unterscheidet sich die Musik, die wir dafür geschrieben haben, vom Rest unseres Repertoires“, erklärt Sänger Ray Alder. „Einige Songs enthalten elektronische Elemente, andere fühlen sich angenehm schwerelos an, und manche grooven auch für unsere Verhältnisse relativ straight drauflos, nicht zu vergessen mehrere ziemlich harte Nummern. Wir haben uns um eine möglichst breite Vielfalt bemüht, damit die Leute nicht den Eindruck bekommen, immer nur ein und denselben Song zu hören.“ In dieser Hinsicht kommt das Album einer metaphorischen Achterbahnfahrt gleich, da sich die Stimmung ständig ändert, und ist vermutlich das bisher abwechslungsreichste Werk der Gruppe.

Mitte 2019 nach ihrer Tour mit Queensrÿche begann Gitarrist Jim Matheos mit dem Komponieren, wobei er ungefähr ein Jahr lang eng mit Alder zusammenarbeitete und 13 Stücke für ihr ebensovieltes Album fertigstellte – das zufälligerweise 72:22 Minuten dauert. Trotz der vielen Plattenproduktionen, die Fates Warning schon durchgezogen haben, betont Ray, dass dies stets mit großen Anstrengungen verbunden ist. „Uns ist noch kein Album leicht von der Hand gegangen. Der Weg von einer Idee zum fertigen Song gestaltet sich lang, und manchmal denkt man, er sei gut so, bekommt dann aber noch einen Einfall und muss ihn ausprobieren. Nicht alles funktioniert letzten Endes, doch man muss es wenigstens versuchen, um am Ende zu wissen, dass man nichts ausgelassen hat, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Jim und ich haben ein Jahr lang praktisch jeden Tag an dem Album gearbeitet; ich bin relativ zufrieden damit, wie es ausgefallen ist und welche Stile es abdeckt. Man könnte sagen, dass sich darin die gesamte Zeit niedergeschlagen hat, in der wir zusammen Musik machen.“ Ob mit dem Opener ‚The Destination Onward‘ – einer dynamischen Klangreise, die eine breites Klangfeld abdeckt –, dem wärmeren, nachdenklichen ‚The Way Home‘ oder dem über elf Minuten dauernden ‚The Longest Shadow Of The Day‘, das in unterschiedliche Richtungen ausschert, ohne dass sich die Band verzetteln würde: Fates Warning wiederholen sich nicht, sondern bieten Prog vom Feinsten mit hörbar viel Herzblut. Alder liebt alle Tracks, ist aber besonders stolz auf ‚Under The Sun‘, das auf unverhoffte Weise zustandekam. „Ursprünglich handelte es sich um einen kurzen Abschnitt eines anderen Stückes auf dem Album. Jim hatte, glaube ich, keine konkrete Idee für die Vocals an dieser Stelle, schickte mir jedoch eines Tages den Gitarrenpart und fragte, ob wir daraus irgendwie ein komplettes Lied basteln könnten. Ich entgegnete: ‚Lass mich mal machen.‘ Zufälligerweise spukte mir eine Melodie im Kopf herum, die ich schon seit einigen Monaten vor mich hinsang, ohne zu wissen, wozu sie gut sein sollte. Jedenfalls wurde ich sie nicht los, und beim Spazierengehen mit meinem Hund an jenem Abend wurde mir klar, dass sie perfekt zu der Passage passte, die schließlich den Refrain bildete. Ich nahm die Melodie tags darauf auf und schickte sie Jim. Wir beschlossen, einen zusammenhängenden Song daraus zu machen. Eine glückliche Fügung, schätze ich.“

Obwohl Alder die Lieder nicht hinsichtlich ihrer Bedeutung aufschlüsseln möchte, weist er darauf hin, dass sie keinem übergreifenden Konzept unterliegen. Vielmehr gab seine Arbeitsweise jeweils die Richtung vor. „Wenn ich Melodien schreibe, singe ich eine Menge unsinniges Zeug, um eine Kombination aus Vokalen und Konsonanten zu finden, die gut klingt. Das Meiste geschieht unterbewusst. Manchmal entsteht aus meinem Nonsens eine Idee für einen Text, die ich dann ausarbeiten kann. Der Begriff ‚home‘ kam wiederholt auf, ob es nun darum ging, ein Zuhause zu vermissen oder sich dort wohlzufühlen. Warum, das kann ich mir nicht genau erklären.“ Unter Matheos‘ als Producer nahmen die Mitglieder ihre Parts in Studios in Los Angeles, San Antonio und New Hampshire oder daheim auf, während Alder, der in Spanien wohnt, seine Spuren in einem kleinen Madrider Studio einsang. Um rechtzeitig fertigzuwerden, musste er einigen Aufwand betreiben. “„Wegen der Corona-Viruspandemie herrschte in Spanien ein kompletter Lockdown, weshalb man das Haus nur zum Einkaufen oder Gassigehen mit dem Hund verlassen durfte. Weil unser Mixer Joe Barresi unter Zeitdruck stand, musste ich meinen Beitrag im Mai unter Dach und Fach bringen, sonst hätten wir das Album bis auf unbestimmte Zeit verschieben müssen, also fuhr ich praktisch heimlich in einem Lkw unter dem Vorwand zum Studio, ich würde umziehen – das war erlaubt –, und schlief zwei Wochen lang in der Gesangskabine. Das war ziemlich nervenaufreibend wegen der Kontrollpunkte auf den Autobahnen, wo jeder festgehalten wurde, der keinen triftigen Grund hatte, unterwegs zu sein. Wenn man erwischt wurde, musste man ungefähr 600 Euro blechen kam vielleicht sogar in den Knast. Ich musste mich zudem an einen Zeitplan halten und schob deshalb manchmal Überstunden. Experimentieren oder sagen „Ach, ich mach das später“ konnte man dabei nicht. Sobald ein Song im Kasten war, wurde er abgemischt – ein Novum für uns, doch alles ist gutgegangen, und ich sprengte die Deadline nicht.“ Als Gäste treten auf dem Album Tour-Gitarrist Mike Abdow mit mehreren Solos und Porcupine Tree-/The Pineapple Thief-Drummer Gavin Harrison auf, der in ‚When Snow Falls‘ sowie ‚Under The Sun‘ zu hören ist, wobei die Band erstmals ein richtiges Streicher-Ensemble einsetzt. Die harte Arbeit aller Beteiligen lässt sich beim Hören des Ergebnisses nicht von der Hand weisen. Fates Warning machen auf Long Day Good Night, einen weiteren mutigen Schritt vorwärts und läuten die nächste Phase ihrer aufregenden Laufbahn ein.








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