Dvne


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Victor Vicart: Guitar / Vocals / Keys
Dudley Tait: Drums
Daniel Barter: Guitar / Vocals
Greg Armstrong: Bass
Evelyn May: Keys

Dvne sind eine Band der krassen Kontraste: Sie verbinden ungeheure Heaviness mit zarter Komplexität, anspruchsvollen Textideen mit spannenden Erzählhandlungen, wobei ihr zweites Album Etemen Ænka das erste sogar übertrifft. „Es beruht auf einem musikalischen Narrativ, das den Hörer hoffentlich dazu bewegt, sich mit dem Universum zu beschäftigen, das wir dafür geschaffen haben“, erklärt Gitarrist und Sänger Victor Vicart. „Es ist ein sehr forderndes, vielschichtiges Album, das man oft hören muss, und obwohl das unsere Musik generell auszeichnet, glaube ich, dass wir diesmal noch weiter als zuvor gegangen sind. Es dürfte auch auf emotionaler Ebene polarisieren, denn die heavy Parts sind eben heavy, die ruhigeren hingegen deutlich vertrackter und ruhiger, weshalb sie durchaus auch auf einen Anime-Soundtrack von Studio Ghibli passen würden.“ Da die Band alles ein bisschen weiter auf die Spitze getrieben hat, markiert die Scheibe verglichen mit Asheran (2017) einen deutlichen Fortschritt und läutet eine neue Phase der Karriere einer der aufregendsten, fantasievollen Metal-Combos dieser Tage ein.

Nach mehreren Shows für Asheran – unter anderem im Rahmen des Psycho Las Vegas 2018 sowie 2019 beim Inferno Festival in Norwegen und Desertfest in London – begann die Band zuversichtlich mit dem Songwriting für den Nachfolger. Das Konzept und einige konkrete Ideen hatte sie bereits, also ging alles Weitere recht schnell. Vicart dazu: „Wir wussten, dass Keyboards bzw. Synthesizer eine tragende Rolle spielen sollten, um neue Klangfarben hinzuzufügen, die es in unseren früheren Songs nicht gegeben hat. Dadurch wollten wir unsere kreativen Möglichkeiten ausweiten. Im Nachhinein betrachtet war das eine klasse Entscheidung, weil wir die Synthesizer ausgiebig eingesetzt haben, ob für Ambient-Sounds, tiefe Bässe oder Lead-Melodien, was der Dynamik der Platte echt gutgetan hat. Außerdem besteht ein Gleichgewicht zwischen tiefer gestimmten Gitarren und unverzerrten Passagen wie auf Asheran, obwohl wir auch Wert darauf legten, die Details und Feinheiten hervorzuheben.“ Synths sind in der Tat stellenweise stark präsent und klingen unverblümt nach den 1980ern, also stimmt es, dass man, etwa auch an klassische Science-Fiction-Soundtracks denken muss, was einige Fans der Gruppe überraschen dürfte, selbst wenn sie jeden musikalischen Schritt von Dvne mitmachen. Das Konzept war so gründlich ausgearbeitete, dass das Artwork schon drei Monate vor Beginn der Studioaufnahmen vorlag und der Band bei der Produktion zur Orientierung diente. „Das gab uns ein gutes Gefühl dafür, was die Stimmung des Albums anging, und half sowohl beim Komponieren als auch arrangieren. Ein paar Tracks, die wir gegen Ende des Schaffensprozesses fertigstellten, entstanden mit Rücksicht auf einen bestimmten Moment innerhalb der Handlung, beispielsweise ‚Weighing Of The Heart‘.“

Dvnes Bandname leitet sich naheliegenderweise von Frank Herberts Romanepos Dune ab, und im Genre Science Fiction fühlt sich die Band auch ziemlich wohl, was sich abermals in ihren Texten widerspiegelt. Obwohl sie ein eigenes Universum für ihr Konzept erfanden, schneiden sie dabei auch wirkliche, ernste Themen an, die unsere Gesellschaft betreffen. Wohingegen Asheran die Beziehung der Musiker zu ihrer Umwelt behandelte, dreht sich jetzt alles um soziale Probleme wie Ungleichheit und das Verhältnis des Menschen zu Macht. „Nicht einmal die einzelnen Mitglieder haben eine einheitliche Vorstellung von den Ereignissen innerhalb der Story, die eine Zivilisation im Lauf der Jahrhunderte begleitet. Diese Gesellschaft beruht auf der hochmütigen Annahme, man könne sich über die Beschränkungen hinwegsetzen, die Schmerzen und das Wesen des Menschen allgemein mit sich bringen. In der Geschichte wird dies schließlich im Zuge des technischen Fortschritts erreicht – ein Aufstieg gewissermaßen, weshalb wir diese Menschen ‚celestials‘, nennen, die ‚Himmlischen‘. Sie werden zu überlegenen Lebewesen, entfernen sich aber zusehends davon, was ihre Menschlichkeit ausmachte. Auf der Grundlage dieser Story konnten wir verschiedenen interessanten Fragen nachgehen, etwa der Herrschaft der ‚celestials‘ über andere und der Utopie, die sie anstreben.“ Die Texte sind ausnahmslos hochgeistige Kost: ‚Enuma Elis‘ bezieht sich direkt auf den babylonischen Schöpfungsmythos um Gilgamesch, während innerhalb des Narrativs der Krieg zwischen der alten, humanistischen Welt und der „verbesserten“ in den Brennpunkt rückt. Die „Towers“-Gesellschaft, die dabei entsteht und riesige Türme baut, geht auf zwei Bücher zurück, Alastair Reynolds‘ Terminal World und Altered Carbon von Richard K Morgan. „Diese gewaltigen Bauwerke werden über mehrere Generationen hinweg errichtet. Zunächst sind die Arbeiter dazu gezwungen, doch eine fortschreitende Indoktrination führt dazu, dass sie sich für den utopischen Gedanken aufopfern, um die Grenzen der Menschlichkeit auszuweiten. ‚Si-XIV‘ wurde aus der Perspektive einer Unterschicht mit ungünstigen Lebensbedingungen geschrieben. Die Gesellschaft ist in ihrer Funktionsweise und im Austausch untereinander stark von Technologie und Neuro-Implantaten abhängig, doch die Bedürftigen verfügen über minderwertige Mittel, die sie benutzen, um dem Alltag zu entfliehen.“

Etemen Ænka entstand wie sein Vorgänger unter Produzent Graeme Young im Chamber Studio in Edinburgh, nachdem Dvne während der Arbeit an Asheran eine großartige Arbeitsbeziehung zu ihm aufgebaut hatten. „Er ist so etwas wie ein weiteres Bandmitglied und puscht uns zu Höchstleistungen.“ Die Aufnahmen gingen dementsprechend reibungslos und produktiv über die Bühne, wohingegen die Vorarbeit, bis der Studiotermin anstand, die eigentliche Herausforderung darstellte. „Komponieren war insofern anstrengend, da wir jedes Riff hinterfragt haben. Wir möchten unsere Frische und hohe Energie erhalten, also kann die kreative Phase intensiv werden. Aufgrund der letztlich relativ ausladenden und vollgepackten Tracks wurde die endgültige Struktur erst beim Aufnehmen der Drums festgelegt, was uns aber umso größeren Spaß bereitet hat, wie ich finde, weil wir gründlich über verschiedene Optionen nachdenken konnten, ohne uns zu früh auf eine Stoßrichtung einigen zu müssen.“. Desweiteren ist Lissa Robertson als Gastsängerin in ‚Omega Severer‘ und ‚Asphodel‘ zu hören, spricht einen Part in ‚Weighing Of The Heart‘ und verleiht dem ohnehin facettenreichen Ganzen noch mehr Tiefe.

Während Dvne nun eine Tournee für 2021 auf die Beine stellen, können sie kaum erwarten, wieder auf die Bretter zu steigen und noch mehr Live-Erfahrung zu gewinnen. „Wir möchten etwas Besonderes bei Konzerten bieten – nicht nur klanglich, sondern auch optisch mit der Lightshow und Projektionen. Dabei werden wir uns mit der Zeit einiges einfallen lassen und daran feilen, um unsere Vision von diesem Album zu vollenden und dem Publikum sein Konzept verständlich machen.“


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