Cult of Luna


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Auch nach 20 Jahren im Zeichen epischer, gefühlsbetonter und innovativer harter Musik lässt sich nicht leugnen, dass Cult Of Luna mit A Dawn To Fear ein Monster von einem Album geschaffen haben. Die acht Songs in 79 Minuten verkörpern alles, wofür man die Band liebt, und beschreiten trotzdem Neuland. “Wir wussten genau, was wir wollten, und zwar das Gegenteil all dessen, was wir in der Vergangenheit gemacht haben“, sagt Sänger, Gitarrist und Hauptkomponist Johannes Persson. “Praktisch jedes unserer Alben beruhte auf einem konkreten Thema; uns war stets von Anfang an klar, welche Geschichte wir erzählen würden, doch das wollte ich diesmal nicht. Mein eigenes Verhalten und Denken hat sich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht verändert, weshalb die Musik nun besonders spontan entstehen sollte. Ich war gespannt darauf, was sich dabei ergeben mochte, und A Dawn To Fear ist jetzt das Ergebnis.

Angefangen beim dröhnenden, dann hämmernden Opener ‘The Silent Man’ bis zum sich hochschraubenden, dann in sich zusammenstürzenden ‘The Fall’ am Ende geht es Schlag auf Schlag. Die Band ist seit ihrer Gründung dafür bekannt, mühelos mit Stimmungen zu jonglieren, so dass Sehnsucht und Melancholie in Sekundenschnelle in Garstigkeit umschwenken können, bei der dem Hörer der Himmel auf den Kopf fällt, ehe ihm die Riffs endgültig den Rest geben. Das schaffen Cult Of Luna natürlich, ungezwungen und mit maximaler Wirkung. Diese Fähigkeit hat die Band im Lauf der Zeit nur weiter verfeinert, was jedoch nicht bedeutet, dass ihre Songs einfach zustandekommen. “Das Songwriting dauerte sehr lange, auch wenn die Zeit scheinbar wie im Flug verging. Mal ist ein Stück innerhalb eines Tages fertig, ein andermal kann ein ganzes Jahr vergehen. Für ‘Nightwalkers’ brauchte ich beispielsweise gefühlt ewig. Das Hauptriff stand fest, und ich versuchte, die anderen Ideen auf verschiedene Art miteinander zu verbinden, weshalb bis zur finalen Version viele unterschiedliche entstanden.” Perssons Taktik besteht darin, täglich zu komponieren und sich durch Phasen zu zwingen, in denen er sich in einer Sackgasse wähnt. Er gibt zu, dass eine Menge Einfälle letzten Endes im Sande verlaufen, wohingegen manches im Handumdrehen fertig wird. Diese Arbeitsweise funktioniert für ihn und bringt ihn zum Philosophieren: “Man muss sich durchbeißen. Es ist harte Arbeit, doch früher oder später springt dabei etwas heraus. Wenn man nicht am Ball bleibt, bewegt sich auch nichts.” Zudem weist er darauf hin, dass die Sache eine andere Dynamik annimmt, sobald die übrigen Musiker hinzustoßen. Die Mitglieder leben mittlerweile weiter voneinander entfernt und sehen sich nicht sonderlich oft, weshalb sie das Beste aus der begrenzten Zeit machen möchten, die sie gemeinsam verbringen. “Wir sind ein Kollektiv, was bedeutet, dass sich der Sound der Band aus der Ganzheit dessen ergibt, was die Einzelnen von Natur aus tun. Der gemeinsame Input macht einen Song, der auf meinen Ideen beruht, erst zu dem, was er ist, was sehr zügig geht, weil ich mich glücklich schätzen darf, mit talentierten Leuten zu spielen. Die Instrumentierung auf dem neuen Album ist ausgesprochen vielfältig, doch alles, was man hört, wird von den Mitgliedern gespielt. Diesmal gab es keine Gäste.

Wenngleich der Bandkopf A Dawn To Fear noch nicht richtig bewerten kann, hält er die Platte für besonders organisch, was größtenteils an der Verwendung von analogen Orgeln und akustischen Instrumenten anstelle elektronischer Keyboards lag – nicht zu vergessen, dass die Stücke generell vielleicht etwas melancholischer sind. Zugleich ist das Album heavier als sein Vorgänger Vertikal von 2013 und die Kollaboration Mariner (2016) mit Julie Christmas, sowohl in puncto musikalischer Dichte als auch hinsichtlich seiner Stimmung. Persson will die Stücke lieber deutungsfrei halten, statt ihre Inhalte zu erklären, und wie die Musik ist auch die Entstehung der Texte ein Kraftakt. “Manchmal brauche ich auch dafür sehr lange, aber es gab auch ein Stück, bei dem die Zeit drängte, weil wir ihn als Demo aufnehmen wollten, also mussten schnell Lyrics her, die ich dann in einer Stunde oder so verfasste, wobei ich genau wusste, was ich ausdrücken wollte. Im Allgemeinen lasse ich mich über Dinge aus, die mir einfach so zufliegen und eine eigene Dynamik entwickeln. Meistens überlege ich, was ein Song braucht, und schreibe daran angepasst. So war es auch diesmal, aber ich habe mich grundsätzlich leiten lassen, wohin auch immer mich meine Eingebung führte.” Die Aufnahmen fanden bei Ocean Sound Recordings in Norwegen statt, in einem dem Namen entsprechend an der Küste gelegenen Studio weitab vom Schlag. Die Band lebte elf Tage lang dort und genoss den Schaffensprozess. “Wir haben nichts anders gemacht als zuvor, doch ich darf sagen, dass es noch nie so entspannt zuging. Wir sind gewachsen, und jeder ist mit seiner Rolle zufrieden. Es gab zwei verschiedene Workstations, sodass wir Bass und Gitarre jeweils in unterschiedlichen Räumen, aber gleichzeitig einspielen konnten. Dann machte Andreas eine Pause, woraufhin Kristian in seinem Raum Keyboards aufnahm und ich den Gesang in dem anderen. Das ging sehr natürlich und locker, während ich eine gute Zeit mit meinen Freunden verbringen durfte, worüber ich sehr froh bin. Dieses Studio sei jedem ans Herz gelegt, der auch so ein besonderes Erlebnis sucht.

Das Ergebnis könnte praktisch auch als Doppel-CD erscheinen, weshalb man zuerst mit dem Gedanken spielte, einen Track zu entfernen, allerdings nicht lange. “Wir haben uns die Songliste angesehen und erkannt, dass es nicht geht. So hätten wir es uns selbst und allen anderen Beteiligten leichter gemacht, auch in Hinblick auf die Fertigung von Tonträgern, aber das Album musste exakt so erscheinen und nicht anders. Diese Songs allein ergeben zusammen einen Sinn. Würden wir einen herausnehmen, könnte die ganze Dynamik darunter leiden.” Die Band wird natürlich auch mit A Dawn To Fear auf Tour gehen, wenngleich sie nie viele Konzerte gab und dies auch in Zukunft nicht tun möchte. “Wir gehören nicht zu den Acts, die monatelang auf Reisen gehen, so war es nie und so wird es auch nicht kommen. Ich will nicht, dass meine Leidenschaft durchs Touren zerstört wird, und denke, dass wir überhaupt nur aus dem Grund so lange durchgehalten haben, weil wir nicht viele Konzerte geben. Falls ich irgendwann die Lust an ihnen verliere, höre ich auch auf, Musik zu schreiben, doch momentan möchte ich weiter gute Songs komponieren und mit diesen Jungs befreundet bleiben.


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