Angel Witch


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Kevin Heybourne: Vocals / Lead Guitar
Jimmy Martin: Rhythm Guitar
Will Palmer: Bass
Fredrik Jansson Punkka: Drums

Seit der Gründung von Angel Witch in einem beschaulichen Vorort in der britischen Grafschaft Kent sind mehr als vier Jahrzehnte vergangenen. Als Anführer einer neuen Bewegung brachte die Band unsere Ohren mit einem an Black Sabbath angelehnten Doom-Sound zum Klingeln, der eine Neudefinition des Heavy Metal als finsterere, härtere, schnellere und schlicht intensivere Musik im Vergleich zu allem markierte, was ihr vorangegangen war.

Komponist, Leadgitarrist und Hauptstrippenzieher Kevin Heybourne schuf eine fiktive Welt aus psychologischem Horror, in der sich die Bildersprache des Fantasy-Genres mit satten Riffs und prägnanten Hooks vereinte, wobei sich die Gruppe bald inmitten einer florierenden Szene behaupten musste, zu der auch Kaliber wie Iron Maiden, Diamond Head oder Saxon gehörten. Nichtsdestoweniger war sie wahrscheinlich der kraftvollste und und in seiner Ästhetik kauzigste Act von allen.

Ihr selbst betiteltes Debütalbum von 1980, das bei Bronze Records erschien und mit dem verboten eingängigen Opener ‘Angel Witch‘ einen zukünftigen Klassiker enthielt, verursachte ein sprichwörtliches Erdbeben, das sowohl die Doom- als auch die Thrash- und Death-Metal-Szenen nachhaltig erschütterte. Die fieberhaft aggressiven, einschneidenden Songs wurden zu Balsam für die Ohren junger, hungriger Musiker wie Dave Mustaine, Tom G. Warrior oder Chuck Schuldiner.

Heute allerdings nach mehr als 40 turbulenten Jahren, in denen Angel Witch praktisch alle vorstellbaren Höhen und Tiefen erlebten, sind und bleiben sie die Hüter eines Stils, der über seine Entstehungszeit und Urform hinaus Bestand hat. Die gegenwärtige Besetzung ist seit elf Jahren stabil und veröffentlichte 2012 mit “As Above, So Below” eine LP, die gemeinhin als eines der wenigen Werke einer so alten Band im ursprünglichen Geist ihrer selbst angesehen wird.

Dennoch handelte es sich dabei lediglich um den Anfang von Kevin Heybournes bemerkenswerter Verjüngung als Songwriter, in deren Zug er sich ein Repertoire von Stücken erarbeitete, die deftig und lebendig wie ehedem klingen. In ihrer beispiellos draufgängerischen Art bezeugen sie, dass er zu den originellsten Schreibern seiner Zunft gehört, und sind nun auf “Angel of Light” zu hören, dem fünften Album der Band. Es als Ausbund von herrschaftlichem Selbstbewusstsein und regelrechtes Riff-Monster zu bezeichnen ist beileibe nicht vermessen.

Bewaffnet mit diesen schweren Geschützen verschanzte sich die Gruppe – neben Kevin gehören Fredrik Jansson Punkka (Drums) Jimmy Martin (Rhythmusgitarre) und Will Palmer (Bass) dazu – im Stationhouse Studio in Leeds, um das Material auf möglichst unmittelbare Weise aufzunehmen. Unter der Ägide von Produzent James Atkinson (Gentleman‘s Pistols/Voorhees) widersetzten sich die Musiker dem Trend, sich zu stark auf die Software ProTools zu verlassen, die Mitschuld an all den gesichtslosen Metal-Veröffentlichungen dieser Tage trägt, und spielten die süchtig machenden Tracks in traditioneller Angel-Witch-Manier mit gehörigem Vorwärtsdrang über laut aufgedrehte Verstärker ein. Heybourne benutzte für seine Parts dasselbe JPM-Topteil von Marshall wie zu Debüt-Zeiten, sodass er die Vergangenheit gleichermaßen wiederaufleben lassen und transzendieren konnte.

Das Ergebnis ist eine Offenbarung, ob man das donnernd hymnische Einstiegsgeschoss ‘Don’t Turn Your Back‘ heranzieht, mit dem die Band ihre Attitüde und Energie gleich zu Beginn klarstellt, oder das Science-Fiction-Epos ‘Death From Andromeda‘ mit seinen Riff-Salven und feinen Songwriting-Kniffen, die in filmreifen Zwillings-Gitarrenharmonien gipfeln.

Außerdem wären da das theatralisch spukhafte, feist groovende und schlussendlich unwiderstehliche ‘I am Infamy‘ oder das aufrüttelnde Titelstück als großes Finale mit reichlich Endzeitstimmung, ein vor dämonischer Atmosphäre übersprudelnder Ausbund an Dynamik mit jenem kräftigen Schuss Okkultismus, der seither zu den Markenzeichen der Band gehört.

Selbst mit der Neuaufnahme einer verlorenen Perle – der emotional aufgeladenen, nebelhaften Ballade ‘The Night Is Calling‘, die bisher nur als schlechtes Live-Bootleg kursierte (wiewohl der junge Leif Edling ihre Klasse erkannte und sie einst mit dem Candlemass-Vorläufer Nemesis coverte) – beweist die Band so viel Feingefühl und Geschmack, dass man meint, die Nummer sei wie alle anderen erst in jüngerer Zeit komponiert worden.

Alles in allem klingen Angel Witch wie wiedergeboren, schlagfertiger als je zuvor, haben aber trotzdem kein bisschen von ihrer melodischen Raffinesse und ihrem metaphysischen Anspruch verloren – Gütesiegel, mit denen sie ihren Zeitgenossen schon immer voraus waren.

Angel Witch sind in allen Entwicklungsphasen des Heavy Metal einflussreich geblieben. Auf ihre bos- wie zauberhafte Musik berufen haben sich so unterschiedliche Szenegestalten wie Gary Holt von Exodus, Dissections Jon Nötveidt oder Ghosts Tobias Forge, obgleich die Gruppe bisher kein einzelnes Album vorlegte, das ihrer gesamten Bandbreite gerecht wurde. “Angel of Light” erfüllt diese Funktion nun mit wieder entfachter Hingabe; es kommt einem enorm wirkungsvollen, lebensbejahenden Musikelixier gleich, mystisch anziehend und wunderbar unangepasst.


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