The Red Chord


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Guy Kozowyk: Vocals
Mike McKenzie: Guitar
Gregory Weeks: Bass
Brad Fickeisen: Drums

“Wir sind seit neun Jahren in dieser Band,” sagt THE RED CHORD-Sänger Guy Kozowyk. “Wir sind weder die angesagteste Band, noch heiße Newcomer. Wir sind abgestumpfte, verbitterte alte Männer, die ein boshaftes und brutales Album gemacht haben, weil sie von einer Menge Sachen angepisst sind. Ich bin zu alt, um einiges, was im Musikbusiness passiert, zu verstehen oder zu akzeptieren. Und, wenn ich ehrlich bin, will ich es auch nicht verstehen, weil es einfach scheiße ist.”

Nichts ist so hilfreich wie ein wenig gute, alte Verärgerung und Abscheu gegen die recycelte, unoriginelle und bis-zum-geht-nicht-mehr ausgeschlachtete Musiklandschaft, um die kreativen Adern eines Musikers bis an explosive Grenzen zu treiben! Während die Metalszene von trendigen, ‘modernen’ Fusionbands überschwemmt und zugemüllt wird, die elektronische Elemente und Moshriffs zusammenkleistern und sich dabei ach so brutal vorkommen, wollen THE RED CHORD nichts davon hören. Die Musik auf ihrem vierten Album (das dritte bei Metal Blade), ‘Fed Through The Teeth Machine’, ist wie ein Riesenhammer, der alles, was trendig ist, mit einem einzigen Schlag zermalmt. Aber das ist nicht die Motivation der Band. Sie sind einfach gut genug, um den Trends den Mittelfinger zu zeigen und die Bands, die diese verbrechen, locker zu toppen. Die Band aus Massachusetts, die mittlerweile zum Quartett geschrumpft ist, um der schlechten wirtschaftlichen Lage standhalten zu können, ohne dabei auch nur ein Minimum ihrer Rottweiler-artigen Bissigkeit und Zähigkeit zu opfern, konzentriert sich weiterhin darauf, extremen Metal für extreme Menschen zu machen; für musikalische sowie textliche Querdenker und Visionäre, die keine dieser serienproduzierten, hippen Bands in ihrem Leben wünschen. Ganz einfach: Wenn Musik deine Knochen zu Staub zermahlen und dein Gehirn herausnehmen, umrühren und wieder einsetzen soll, dann gelingt das THE RED CHORD ganz sicher mit ‘Fed Through The Teeth Machine’.

Wenn THE RED CHORD die Bühnen von ‘Mainstream’-Festivals wie Ozzfest oder Rock Star Energy Mayhem betreten, verwandeln sie dank ihrer ebenso brutalen wie anspruchsvollen Musik das durchschnittliche, nichts ahnende Kid im Publikum in einen Fan. Auf ‘Fed Through The Teeth Machine’ hält die Band an diesem Kurs fest.

“Eine der Dinge, die mich in den letzten paar Jahren – auch schon seitdem ich ein Kid war – faszinierten, ist die Kunst, die Sachen nicht zu offensichtlich zu präsentieren,” fährt Kozowyk fort. “’Clients’ [2005] hatte dieses seltsame Etwas, und die Leute merkten, dass es von verschiedenen Charakteren handelte, währen ‘Prey For Eyes’ [2007] ein Sprungbrett in eine ganz andere Richtung war. Ich möchte niemanden in die Irre führen, aber ich mag es, mit dreifachen Bedeutungen zu spielen. Wie eine Geschichte, für die man sich sein persönliches Ende aussuchen kann.” Auf ‘Fed Through The Teeth Machine’ hat die Band weder musikalisch noch textlich den Fuß vom Gaspedal genommen. Ganz und gar nicht. “Wenn du dir einen beliebigen Song oder Text anhörst und du gerade in einer politischen oder gesellschaftlichen Diskussion steckst, kannst du eine bestimmte Textzeile in diese Richtung interpretieren”, sagt Kozowyk. “Aber wenn du gerade Stress mit deinem Lebensgefährten hast, dann kann dieselbe Textzeile in dem Moment eine ganz andere Bedeutung annehmen. Ich mag diese eindimensionale Formel nicht, die viele Bands benutzen. Ich mag das Offensichtliche oder einen kleinsten gemeinsamen Nenner nicht. Wir machen diese Band schon seit langer Zeit, und es gibt eine Menge Bands, die auf einen bereits fahrenden Zug aufspringen.”

THE RED CHORD sind aber keine solche Band. Vielmehr machen sie, was sie schon immer gemacht haben; nur eine Ecke extremer, statt ihren Stil im Laufe ihrer Karriere mehr und mehr zu verwässern. Bevor die brandheiße Stilbezeichnung ‘Deathcore’ von einer Handvoll Bands, die Death, Grind, Hardcore und Metal fusionierten, aus der Taufe gehoben wurde, spielten THE RED CHORD bereits ultra-extreme Musik in diesem Bereich und bereiteten damit das Feld vor, statt auf Nummer Sicher zu gehen. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Band teils von Death Metallern und teils von Hardcorefans formiert wurde, macht es durchaus Sinn, dass sich die Musik in diese Richtung entwickelt hat, was aber niemals mit der Absicht geschah, ein neues Genre zu kreieren. Auch wenn die Band nicht für den Deathcore-Trend verantwortlich gemacht werden möchte, sei hier kurz erwähnt, dass viele Bands in diesen Sphären direkt oder indirekt von THE RED CHORD beeinflusst wurden. Obwohl sich die Band den Respekt ihresgleichen – und ihrer Fans – redlich verdient hat, sieht sie ihre eigene Situation in einer Weise, die an alte Arbeiterklasse-Mentalität erinnert: “Ich möchte nicht das schwächste Glied in der Kette sein, denn ich befinde mich in der Gesellschaft von talentierten Musikern,” meint Kozowyk. “Ich möchte auch textlich etwas erschaffen, das zum Nachdenken anregt und die Menschen dazu bringt, Fragen zu stellen und selbständig zu denken.”

Während Kozowyk seine smarten, durchdachten Lyrics schrieb, nahm Gitarrist Mike “Gunface” Mckenzie diesmal eine wichtigere Rolle an. Er komponierte einen größeren Anteil des Materials, da dieses das erste THE RED CHORD-Release mit nur einem Gitarristen ist. McKenzie zeichnet sich für neun der zwölf Tracks verantwortlich und steuerte ebenfalls einige Textideen bei, was das Album zu einer echten Kollaboration macht. “Es passierte einfach so”, sagt Mckenzie. “Ich arbeitete gerade an der Musik und wollte Guy zeigen, wie ich die Vocals platziert haben wollte, also schrieb ich einen Text dazu, der mir letztendlich so gut gefiel, dass wir ihn zusammen ausarbeiteten.”

Gunface gesteht, dass die Band noch nie so intensiv an einer Vorproduktion gearbeitet hat, wie für ‘Fed Through The Teeth Machine’, wo einige Details bereits vor den Demoaufnahmen feststanden. “Wir haben viel mehr geplant und wussten genau, was wir tun wollten”, erzählt der Gitarrist. “Mit jedem Album werden wir noch etwas pingeliger, was die kleinen Details angeht. Jedesmal, wenn ich etwas aufnehme, strebe ich mehr nach Perfektion. Je älter man wird, desto genauer weiß man, was man will: Spielen, um Spaß dabei zu haben. Da geht es bei mir noch eher um die Perfektion. Wir diskutieren immer eine Menge darüber, wie unsere Musik klingen sollte, es kommt aber nie etwas dabei heraus!” ‘Fed Through The Teeth Machine’ wurde von der Band selbst produziert, was Gunface überaus glücklich macht. “Ich war noch nie so zufrieden mit dem Sound einer unserer Platten”, sagt er. “Wir haben bei der Produktion einen super Job gemacht. Ich bin eigentlich nie mit dem Gitarrensound zufrieden, diesmal aber schon.”

Obwohl nun ein Bandmitglied weniger an Bord ist, und man einige Sachen hat ändern müssen, um die Liveshow dieser neuen Situation anzupassen, hat die musikalische Integrität von THE RED CHORD sich dadurch weder geändert noch verringert. “Bei uns hat sich das Besetzungskarussell immer sehr schnell gedreht”, räumt Gunface ein. “Ich wollte aber diesmal keinen zweiten Gitarristen in der Band, weder für Liveshows noch für Studioaufnahmen. Wir hatten bisher auf jedem Album eine verschiedene Besetzung und dadurch andere Songwriter. Die Band kann sich aber nicht weiter entwickeln, wenn wir andauernd unsere Mitglieder austauschen. Der nächste Schritt muss sein, von jetzt an das gleiche Songwriterteam beizubehalten.”

Das für den Sound von THE RED CHORD charakteristische Chaos ist auf ‘Fed Through The Teeth Machine’ genau so präsent wie die bandtypischen Lyrics. Gunface meint: “Es wurde zufällig zu einem Konzeptalbum.” Die Band bekam die Idee für das Albumkonzept, nachdem sie die TV-Show ‘How Stuff Works’ auf dem Discovery Channel gesehen hatte. “Könnte es über einen Typen sein, der über ein Reißverschluß spricht?” fragt Kozowyk. “Und dann drehst du es um und fragst, ‘Was heißt es, durch die Zahnmaschine gefüttert zu werden?’ Heißt es, dass du auf deiner ersten Tour für 20 Dollar pro Show gespielt hast, dass man dich regelrecht durchgekaut und ausgespuckt hat? Wo bringt uns das hin? Das heißt, dass du den Leuten beweisen willst, dass du weiterhin versuchst zu tun, worauf du Bock hast. Du wirst durch ein System gefüttert, du wirst ausgebeutet.” Da wären sie schon wieder, die doppelten und dreifachen Bedeutungen. Es ist das, wodurch sich diese Band hervortut, und was die Leute zum Überlegen anregt. Und das gleich doppelt.

Kozowyk hat es nicht gemieden, sein eigenes Privatleben in den Lyrics zu verwerten. “Auf dem Album entfalten sich viele Geschichten, die sich auf eine Serie von fiktiven Begebenheiten beziehen, die aber manchmal mein eigenes Leben wiederspiegeln”, sagt der Sänger. “Mein neues Haus war einmal eine Keramikfabrik. Dadurch bin ich auf diese bizarren Charaktere gekommen. Es gehörte einem älteren Ehepaar. Als der Mann starb, war sein Erbe, dass er eine Keramikschule betrieb. Seine Kids hätten über seine Erbschaft wachen sollen. Allerdings war einer von ihnen ein Junkie und das Vermächtnis seines ganzen Lebens ging den Bach runter. Eine andere Story dreht sich um einen verrückten Typen in einem bizarren Gelände. Seine Kinder sind Nichtsnutze, und er verbringt seine Zeit mit dem Versuch, sich in ein Insekt zu verwandeln und aus zahnärztlichen Komponenten eine Zahnmaschine zu bauen. Es sind alles eigenartige Unglücksfälle.” Kozowyk gesteht, dass der Song ‘Floating Through The Vein’ wie eine konservative Hetzrede über die Wirtschaft beginnt, um sich dann mit Anspielungen auf den ehemaligen WWF-Wrestler The Ultimate Warrior und Kozowyks alzheimerkranken Großvater zu drehen und zu winden.

Es ist klar und offensichtlich, dass THE RED CHORD weiterhin eines der wichtigsten Aushängeschilder der über-extremen Metalszene sind. Auch wenn die Zeiten sich ändern, THE RED CHORD sind zuverlässig wie eh und je. ‘Fed Through The Teeth Machine’ stellt genau so viele Fragen, wie es Antworten liefert, explodiert wie eine Landmine unter deinen Füßen und zeigt absolut keine Ermüdungserscheinungen. Die Bandmitglieder mögen älter und weiser sein, sie feuern aber weiterhin Riffs, Blastbeats und kehlkopfzerfetzende Growls in die Botanik wie blutige Teenager. Die neue Generation von Bands sollte mal lieber in Deckung gehen, denn THE RED CHORD regieren weiterhin über alles, was Extrem ist!






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