Redemption


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Ray Alder: Vocals
Nick van Dyk: Guitars and Keyboards
Sean Andrews: Bass Guitar
Chris Quirarte: Drums

Als die Prog-Metal-Supergroup Redemption Fans wie Kritiker zuletzt mit ihrem fünften Album This Mortal Coil bezauberte, hatte die NASA gerade Wasser auf dem Mars entdeckt und die Weltbevölkerung einen Stand von sieben Milliarden erreicht. Diese bahnbrechenden Ereignisse sind zwar nicht direkt relevant für die Scheibe, aber genauso einschneidend wie deren Konzept, das sich um die Krebserkrankung von Gitarrist und Keyboarder Nick Van Dyk drehte. Fünf Jahre später nun kehrt die Band aus Los Angeles mit ihrem neuen Werk zurück: The Art of Loss.

Es dauerte zwischen den Veröffentlichungen länger als sonst bei uns, aber wir waren nicht müßig: Wir haben mit This Mortal Coil ein paar Gigs gespielt, unter anderem 2012 beim Festival Progpower, wo wir unseren Produktionswert mit einer Live-DVD/CD ein wenig erhöhten“, erzählt Van Dyk über Redemptions Tätigkeit zwischen den beiden Veröffentlichungen. “Ray [Alder, Sänger] hatte sehr viel zu tun, und wir standen vor der einen oder anderen Herausforderung, die es für diese Band von Zeit zu Zeit eben gibt, allen voran Bernies [Versailles, langjähriger Gitarrist und van Dyks Partner] Ausscheiden infolge seines Aneurismas, doch Gott sei Dank ist er auf dem Weg der Besserung. Wir haben uns letztlich durchgebissen und freuen uns sehr, unseren alten Fans frische Musik zu bieten sowie neue Hörer hinzuzugewinnen.

Musikalisch knüpft The Art of Loss an seinen Vorgänger an, indem Redemption weiterhin gekonnt Melodie mit Aggression verweben, ohne den Blick darauf zu verlieren, was gute Songs brauchen: Hooks und Dynamik. Allerdings legt das neuste Werk die Messlatte in puncto Komposition, Musikalität und Produktion noch höher an, wobei die Bandbreite von hartem Melodic Metal bis zum 23-Minuten-Epos “At Day’s End” reicht. “Fast jeder Künstler behauptet, sein aktuelles Album sei das Beste, und mit solchen Aussagen handeln sie sich manch zynischen Kommentar ihres Publikums ein“, sagt Van Dyk, der weiß, wovon er spricht. “In diesem Fall jedoch darf ich folgendes sagen: Es ist unser erstes Album, das ich selbst nach so häufigem Hören beim Aufnehmen und Mastern nicht leid werde. Ich höre es noch immer zwei-, dreimal die Woche im Auto. Ich halte es für unser stärkstes und rundestes in punkto Songwriting, Performance und Produktion. Die Musikalität ist außergewöhnlich, Ray [Alder] klingt atemberaubend, und die Produktion ist Bombe. Auch das Artwork muss ich erwähnen, das Gesamtpaket ist unser Rundestes bislang.

Van Dyk traut The Art of Loss demnach einiges zu. Die Songs, die Gemeinschaft, die alles ermöglichte, die Musikalität, Tommy Hansens Produktion und natürlich Travis Smiths (Opeth, Amorphis) Cover rangieren alle in der ersten Klasse. Der Bandkopf war sich auch nicht zu schade für Gastmusiker: Chris Poland und Marty Friedman, Chris Broderick und Simone Mularoni. “Sieht wohl so aus, als hätte ich einen Masterplan umgesetzt“, fügt er hinzu, “aber alles ergab sich wirklich ganz natürlich.

Zu Anfang fand ich, dass wir durchaus nach den Sternen greifen durften, was Gasttalente betraf, und legte mir eine kurze Liste mit unglaublich begabten, aber auch musikalisch markanten Leuten im Kopf zurecht, auf der dann Marty ganz oben stand“, entsinnt sich Van Dyk. “Ich kontaktierte ihn über einen gemeinsamen Freund, woraufhin er meinte, er stehe unserer Musik offen gegenüber und wolle reinhören, sobald wir etwas vorliegen hätten. Chris ist ein etablierter Sessionmusiker in Los Angeles, und ich sprach mit einem anderen Bekannten, wer infrage käme, weil Bernie krankheitsbedingt ausfiel. Er schlug Chris vor, der schon mit ihm gearbeitet hatte. Stilistisch macht Chris’ nicht so traditionelle Art einen Großteil der Originalität der Musik aus. Marty rundete zwei Songs ab, als ich mit Chris Poland verhandelte. Simone, den ich über Tom Englund von Evergrey kennenlernte, wollte ebenfalls Solos auf dem Album spielen. Er war sehr großzügig mit seiner Zeit und spielte atemberaubendes Zeug für vier Songs ein. Besonders ein Solo brachte Ray zum Lachen, weil dir dabei einfach der Kiefer runterklappt. Erst nachdem Chris Broderick infolge der Fertigstellung seines Albums mit Act of Defiance Luft hatte, konnte er sich gegen Ende unserer Sessions einbringen, und da wurde mir bewusst, dass sich eins ins andere fügte.

Auch Sänger John Bush, der mit Anthrax und Armored Saint zu einem der besten Frontleute überhaupt wurde, leistet einen Beitrag. Bei Redemption stößt er in die Sphären von Roger Daltrey vor, und zwar mit dem The-Who-Cover, ‘Love Reign o’er Me’. “Er ist ein klasse Typ und für mich einer der unterschätzen Sänger im harten Bereich“, meint Van Dyk. “Der Kerl ist so gut, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Ich lernte Armored Saint erst spät kennen und begriff, wie kraftvoll und kontrolliert er singt. Wer ihn noch nicht live gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Dieses Stück von The Who wollte ich schon immer covern, doch um es wirklich überzeugend zu singen – immerhin handelt es sich um eine der legendärsten Gesangsdarbietungen in der Rockgeschichte, falls nicht die großartigste aller Zeiten –, braucht man einigen Schneid. John haut dabei echt um und gibt einen großartigen Gesangspartner für Ray ab. Sie sind das perfekte Duo in diesem Song. Ich wählte dieses Stück aus, weil ich fand, es würde gut zu unserem Stil passen, und wollte damit auch Bernie beziehungsweise seiner Genesung Tribut zollen.

Textlich behandelt The Art of Loss kein offensichtliches Thema, doch viele Stücke drehen sich um den Sieg der Liebe über die Angst. “Viele Songs setzen sich mit dem Konzept Liebe auseinander, die wichtiger als Angst ist“, so Van Dyk. “Das betrifft nicht nur romantische Verhältnisse, sondern auch den Kern des Selbstwertes eines Menschen, sein Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, zu lernen und zu wachsen, um letztlich Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Liebe muss über Furcht siegen, damit wir leben können, darum geht es kurz gesagt.

Die wesentliche Veränderung bei Redemption ist der Wechsel von Inside Out zu Metal Blade. Die Musiker haben Freunde bei dem Label in Kalifornien, die sie ihrem Chef Brian Slagel nahelegten. Der Rest ist Geschichte, wie man so sagt. “Das Label beobachtete uns im Lauf der Jahre bei anderen Firmen, aber ernsthaft die Rede von einer Zusammenarbeit war nie, und ich will mich auch nicht aufdrängen“, gesteht Van Dyk. “Vor der letzten Vertragsverlängerung, trat [Metal Blades] Tracy [Vera] mit dem Vorschlag an mich heran. Sie hat uns toll beraten, und mit dem gesamten Team von Metal Blade lässt sich super arbeiten. Es ist toll, mit Freunden Geschäfte zu machen, und ich empfinde positiven Druck, sie nicht zu enttäuschen! Klar, das Label ist einer der größten Indies der Welt und eine Legende im Heavy Metal, also ein großartiges Umfeld für uns.

Letztlich hofft Van Dyk dass The Art of Loss den Fans im Gedächtnis bleibt – als fordernde, farbenfrohe Platte. Ferner verspricht er, dass der Nachfolger keine vier Jahre auf sich warten lassen wird.


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