Disillusion


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Schmidt: Vocals, Guitar
Maluschka: Drums
Barthel: Guitar

Wann immer in den letzten Monaten über DISILLUSIONs LP „GLORIA“ geschrieben oder gesprochen wurde, fielen unter Garantie folgende fünf Worte: Back, To, Times, Of und Splendor. Nur wenige Alben mussten sich derart an ihrem Vorgänger messen lassen wie „GLORIA“ an “Back to Times of Splendor”, kaum eine Band musste sich derartigen Erwartungshaltungen erwehren wie DISILLUSION im Herbst 2006. Und das, obwohl von Anbeginn klar war, dass es sich bei „GLORIA“ um keine Sicherheitskopie handeln würde, wie Schmidt bereits im Sommer vorwarnte. Trotzdem beginnt nahezu jede Besprechung mit dem Vergleich, lesen sich manche Rezensionen gar wie Rechtfertigungen, dass man „GLORIA“ trotz vermeintlichen Stilbruch fantastisch findet, oder manchmal auch, wenn der Kritiker eben doch ein zweites „BTTOS“ erwartete, wie enttäuschte Hassbriefe.

Dabei ist Stilbruch nur erkennbar, wenn man DISILLUSION auf ein einziges Album herunterkürzt. Wer sich mit der Discographie auseinandersetzt, wird weitere Veröffentlichungen finden, die den ungebrochenen roten Faden, der sich durch das Schaffen der Leipziger zieht, gleichermaßen wie das suchende Vorstoßen in emotionale, bildgewaltige Gefilde deutlich erkennbar machen.

Es hat schon immer großartiges Kopfkino aus dem Hause DISILLUSION gegeben, sei es das düstere, von bitteren Gefühlen gezeichnete Minialbum “Three Neuron Kings” oder sei es die hintergründige Science-Fiction von “The Porter”, die im Singleformat größere und vielschichtigere Welten aufzuspannen vermochte als so manches Konzeptalbum – Emotional und auch in ihrer musikalischen Direktheit stehen beide Werke „GLORIA“ weitaus näher als “Back To Times Of Splendor”. Und so reiht sich das aktuelle Album ein in das Werk einer Ausnahmeband, die abseits der Konventionen und Schubladen eine Musik macht, die man nur noch der Instrumentierung nach Metal nennen kann, die aus den verfügbaren Stilmitteln Ungeahntes herauszuholen imstande ist, dass es einem mitunter die Sprache verschlägt. DISILLUSION haben den staubigen, muffigen, sich ewig selbstzitierenden Metal kaputtgeschlagen. Und dafür kann man dankbar sein.

Kaum zu glauben, dass alles in Zwickau begann. DISILLUSION, die 1994 aus der Grungekapelle C-Bones hervorgingen, spielten damals eine sehr melancholische, emotionale Variante von Metal à la Machine Head, die man heute wohl neunmalschlau als Melodic Death oder Emo Core bezeichnen würde. Selbstverständlich hat sich die Musik und auch die Band seitdem sehr stark weiterentwickelt. Jedoch umwehte bereits in den Anfangstagen DISILLUSION trotz Feinrippunterhemd und Schnurrbart eine charismatische Ausstrahlung, die einen nicht daran zweifeln ließ, dass diese Gruppe es weit bringen könnte. Dazu hatte es dann aber doch ein paar Jährchen, einen Umzug nach Leipzig und nicht zuletzt einen drastischen Besetzungswechsel gebraucht. Nachdem sich Gründungsmitglieder Tobias Spier und Alexander Motz nicht mehr dem Full-time-Job Rockmusiker hundertprozentig widmen konnten, hat Schmidt von 1997 bis 2000 DISILLUSION quasi im Alleingang am Leben gehalten. Er hat sich für die Musik und gegen einen vernünftigen Lebenslauf entschieden, eine Herausforderung, die sich in Deutschland leider jedem Musiker irgendwann in den Weg wirft und an der viele großartige Gruppen zerbrechen. Natürlich gab es immer wieder Versuche, die Band über Mitstreiter zu beleben, doch erst mit Rajk Barthel, der bis dato schon recht erfolgreich mit dem Techno-Metal-Bastard Loom unterwegs gewesen war, und Jens Maluschka fanden sich kongenialer Gitarrist und Schlagzeuger. 2001 wurde auch gleich die erste EP „Three Neuron Kings“ eingespielt, natürlich weitestgehend im eigenen Studio, um größtmögliche Kontrolle über das eigene Werk zu gewährleisten und jede freie Minute in die Musik investieren zu können. Ein Perfektionismus, der maßgeblich für den der EP nachfolgenden Durchbruch verantwortlich war. Hatten DISILLUSION früher schon Charisma und das gewisse Etwas gehabt, so waren nun ihre Shows und ihr Material dermaßen überwältigend, dass sie bald als heiße Liveband gehandelt wurden, souverän den Bandcontest des LEGACY, nebst einem Platz auf dessen Sampler gewannen, inklusive Produktion. Statt einen Song aufnehmen zu lassen, nahmen sie zwei in Angriff und haben dabei natürlich die Hauptarbeit im eigenen Studio und bei Tam-Recordings geleistet, dem langjährigen Partner, der bereits die ersten beiden Demo-Tapes “Subspace Inanity” und “Red” aufgenommen hatte. Die EP “The Porter” zeigte bereits die Qualität und Dichte von “Back To Times Of Splendor” und erschien unter dem Label Voice Of Life. Die Rechte auf den geplanten Longplayer hat sich dann aber Metal Blade gesichert, dessen A&R DISILLUSION bereits mit dem Programm zu “Three Neuron Kings” live gesehen hatte und durchaus begeistert gewesen sei, so wird gemunkelt. Offenbar war man bei Metal Blade wirklich überzeugt von der Genialität des Neuzuganges, denn man gewährte gleich vier Terminverschiebungen. Nach anderthalb Jahren Produktionszeit erschien im April 2004 „BTTOS“ und wurde international zurecht als eines der besten Albendebuts gefeiert. Die Band selbst verglich ihr Werk gelegentlich und wohl auch mit leichtem Augenzwinkern mit der Opulenz von Peter Jacksons “Herr der Ringe”.

Der Platte folgten viele Clubshows, Festivalauftritte und eine Europa Tour mit AMON AMARTH, bei der auch einige Konzerte in großem Line-up gespielt wurden. Dabei standen neben DISILLUSION nahezu die gesamte Besetzung von Dark Suns sowie Shya von Unloved auf der Bühne. Anschließend zogen sich DISILLUSION zusammen mit den Autorenfilmern von Film-M, deren preisgekröntes “inside” bereits als Vorabversion “in” im Supportprogramm zur Record-Release-Show lief, zurück ins Studio um am neuen Album zu bauen. Arbeitsmotto: Brennender Asphalt statt ausgetretene Waldpfade.

Im Oktober 2006 war es dann so weit: „GLORIA“ – was klar angekündigt wurde, sich aber niemand so recht vorstellen konnte, wurde Wirklichkeit, aus Peter Jackson ist David Lynch geworden.

2007 dann das Jahr der großen Veränderungen: Ähnlich wie schon 1999 kommt es zu einem einschneidenden Line-Up-Wechsel. Jens Maluschka verlässt DISILLUSION, für ihn nimmt Tam-Recordings-Mastermind Alexander Tscholakov auf dem Schlagzeugschemel platz. Kompletiert wird das Bühnenbild für die Festivalsaison durch Bassistin Alla Fedynitch. Und nicht nur Live geht es mit Vollgas, ohne Netz und doppelten Boden weiter. DISILLUSION schreiben wieder und man darf gespannt sein, wohin die Reise diesmal führt.